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Totalendoprothese

Unter Totalendoprothese (TEP) versteht man einen kompletten Oberflächenersatz des Kniegelenkes mit sparsamer Knochenentfernung an Ober- und Unterschenkel. Diese Art der Prothese kommt dann zum Einsatz, wenn sowohl die Innen- als auch die Außenseite des Kniegelenkes stark durch Arthrose geschädigt sind. Hier kann eine Schlittenprothese (Teilersatz) nicht mehr helfen.

Die beiden Gelenkpartner des Ober- und Unterschenkels werden dann komplett durch die Totalendo-prothese "überkront". Ziel ist eine weitgehend normale und schmerzfreie Kniefunktion ohne Arthroseschmerz.

Die verwendeten Materialien sind inerte Metalllegierungen, Titan sowie Polyäthylen (Kunststoff), eine Abstoßungsreaktion ist somit praktisch ausgeschlossen. Das Hauptproblem der Überlebensdauer ist der Abrieb der Polyaethylenscheibe, welche in der Form ähnlich der Unterschenkelgelenkfläche je nach Prothesendesign eine mehr oder weniger formschlüssige Verbindung mit der Oberschenkelkomponente bildet.
Durch Beugung und Streckung als auch durch Drehbewegung kommt es über Jahre zum langsamen Abreiben des Polyaethylens. Besonders verbliebene Beinachsenfehlstellungen führen zu einem deutlichen einseitigen Abrieb und dadurch im weiteren Verlauf zur Lockerung des Oberflächenersatzes, welche erneute Schmerzen und Funktionsstörungen zur Folge haben.

1. Zementierter / unzementierter Knie-Prothese

Die Frage der besseren Haltbarkeit von Knieprothesen unter dem Aspekt der Zementierung, oder das unzementierte Verankern der Prothese, ist, trotz vieler wissenschaftlicher Studien, nicht eindeutig entschieden.

Bei der Zementierung wird die Prothese mit einem seit Jahrzehnten erforschten Knochenzement beschichtet. Wichtig für eine besonders feste Verbindung (Interface) zwischen Zement und Knochen ist die Entfernung von Blut und Fettpartikeln mit einer pulsierenden Pumpe. Nach etwa 15 Minuten ist der Knochenzement ausgehärtet und die Prothese stabil implantiert.

Bei der unzementierten Implantation ist die Prothese in ihrer Oberflächenstruktur zum Knochen hin durch Aufbringen von kleinsten Kugeln oder Gitterstrukturen bzw. Hydroxylapatit erheblich vergrößert. Im Rahmen der Knochenheilung kommt es zum Einwachsen in diese feinen "Poren", so dass ein fester Verbund zwischen Knochen und Prothese entsteht. Besonders wichtig für die Implantation der unzementierten Prothese ist die maximale Präzision der Knochenschnitte, die Prothese wird "Press-fit" auf den Knochen geschlagen und weist primär schon eine große Stabilität durch dieses "Press-fit" Verfahren auf.

Unzementierte Prothesen können bei "jüngeren" Patienten in Frage kommen, die eine "gute" Knochenstruktur aufweisen und in der Lage sind eine Teilbelastung durchführen zu können.
Bei deutlich übergewichtigen Patienten und schlechter Knochenqualität, sowie bei älteren Patienten bevorzugen wir die Implantation einer zementierten Prothese.
Prinzipiell haben unzementierte Prothesen höhere Lockerungsraten, so dass sie als "Standardindikation" bei uns nicht angewendet werden.

2. Mobile Plattform / fixierte Plattform

Die Geometrie der Oberschenkelkomponente ist der Geometrie des anatomischen Oberschenkels angenähert worden (mehrere Krümmungsradien, Vertiefung der "Grube" (Trochlea) zwischen dem inneren und äußeren Rollhöcker.) Die Mechanik ist durch die "mobile Plattform" natürlicher geworden.

Was ist eine "mobile Plattform?"

Zwischen der Oberschenkelprothese und der Unterschenkelmetallplattform wird eine Polyaethylenkunstoffscheibe ähnlich einem Meniskus, eingesetzt, um einen Formschluss zwischen Oberschenkel und Unterschenkel zu ermöglichen. Ziel des Designs ist es nun, die Kontaktfläche in der Kniebewegung zwischen Oberschenkelprothese und Polyäthylen so groß wie möglich zu gestalten, um somit die Druckbelastung auf dem Polyäthylen bestmöglich zu verteilen, damit der Verschleiß (Abrieb) so gering wie möglich gehalten wird.

Das Knie ist ein "Roll-Gleit-Gelenk", welches in einem gewissen Maße Rotationen zulässt. Durch die "mobile Plattform" wird nun der Prothese ein "Roll-Gleiten", sowie eine Rotation erlaubt und damit der Druck auf der Polyäthylenscheibe in jeder Gelenkstellung optimal verteilt. Das Funktionieren dieses Prothesentyps ist jedoch nur gewährleistet, wenn das Kniegelenk durch seine Bänder, Sehnen und Muskeln einwandfrei stabilisiert ist, da sonst durch die große Mobilität das Polyäthylen vermehrt abgerieben würde, was zu einer frühzeitigen Lockerung führt.