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Knieverletzung im Kindesalter

1. Meniskusverletzung im Kindes- und Jugendalter (von Prof. Siebold)


Eine Meniskusverletzung bei Kindern oder Jugendlichen tritt häufig im Sport oder bei Unfällen auf. Meist kann der junge Patient ein entsprechendes Ereignis beschreiben. Ein Verschleiß des Meniskus ohne entsprechendes Trauma ist bei Kindern und Jugendlichen nahezu ausgeschlossen. Die jungen Patienten klagen über lokale Schmerzen im Kniegelenk, wiederkehrende Schwellung und Bewegungseinschränkung. Nicht selten zeigen sie ein hinkendes Gangbild.

Treten diese Beschwerden bei Meniskusverletzung des Kniegelenkes auf, sollte ein sehr erfahrener Kinderarzt bzw. ein Kniespezialist aufgesucht werden, um die weitere Diagnostik durchzuführen. In der Regel können die oben genannten Symptome durch die Untersuchung bestätigt werden. Zusätzlich kann zur genauen Darstellung der Verletzung eine Röntgenaufnahme des verletzten Kniegelenkes in 2 Ebenen, bzw. eine Kernspintomographie (= NMR ohne Strahlenbelastung) durchgeführt werden.

Wichtig ist, neben den klassischen Meniskustests auch die Stabilität der Kreuzbänder sowie der Seitenbänder zu überprüfen. Es muss auch an ein Herausspringen der Kniescheibe (Patellaluxation) gedacht werden. Gerade junge Patienten sind schwierig zu untersuchen, deshalb bedarf es einer großen klinischen Erfahrung.

Meniskusverletzung im Kindes- und Jugendalter

Gerade im Kindes- und Jugendalter ist die Naht des Meniskus unbedingt erforderlich, um den Stoßdämpfereffekt des Meniskus zu erhalten und vor Arthrose zu schützen. Da das Meniskusgewebe in diesem Alter ein großes Heilungspotential hat, wird von uns jeder Meniskus bei jungen Patienten grundsätzlich genäht.

(Sonderfall) Scheibenmeniskus

Der Scheibenmeniskus tritt als seltene Variante des Außenmeniskus auf. Der Meniskus hat nicht die typische Sichelfrom, sondern stellt sich als komplette Halbmondscheibe dar. Nicht selten treten Schmerzen auf der Außenseite des Kniegelenkes auf. Die Normvariante ist etwas anfälliger hinsichtlich Verschleißprozessen, so dass auch im Jugendalter schon einmal leichte Verschleißschäden des Scheibenmeniskus vorliegen können. Durch unserer jahrzehntelange klinische Erfahrung haben wir sehr viel Routine in der Behandlung des Scheibenmeniskus.

2. Kreuzbandverletzung bei Kindern und Jugendlichen


Auch bei Kindern und Jugendlichen sind Verletzungen des vorderen Kreuzbandes insbesondere durch Sport nicht selten.

Dabei unterscheidet man bei Kindern im Wesentlichen zwei Verletzungsmuster des Kreuzbandes:
Einerseits kann ein direkter Riss der Kreuzbandfasern im Gelenk vorliegen und zum anderen - und das ist typisch für Kinder - kann es zu einem knöchernen Ausriss des vorderen Kreuzbandes am Schienbein kommen. In beiden Fällen ist das Kniegelenkes instabil.Durch eine genaue klinische Untersuchung im Vergleich zur gesunden unverletzten Seite und entsprechende Röntgen- und Kernspinaufnahmen kann der erfahrene Untersucher eine sichere Diagnose stellen.

Therapie bei Kreuzbandverletzungen im Kindes- und Jugendalter

Die klinische Erfahrung zeigt, dass die Wiederherstellung der Stabilität erforderlich ist, um Frühschäden des Knorpels und der Menisken zu vermeiden. Leider ist eine alleinige Stabilisierung durch Muskeltraining meist nicht ausreichend. Nur durch die Kreuzbandoperation gelingt es, die Funktionsfähigkeit des Kniegelenkes wieder herzustellen und gleichzeitig das Kniegelenk vor frühzeitigem Verschleiß und Arthrose zu schützen. Deshalb besteht ein eindeutiger Konsens, dass eine kindliche Kreuzbandverletzung bei Kindern und Jugendlichen operativ versorgt gehört.

Die Besonderheit bei Kindern und Jugendlichen sind die offenen Wachstumsfugen.Besteht ein knöcherner Ausriss des vorderen Kreuzbandes am Schienbein, so sollte das ausgerissene Knochenfragment in einer arthroskopischen minimalinvasiven Operation wieder befestigt werden. Dies ist in der Regel sehr schön implantatfrei mit Fäden zu erzielen.
Bei Kreuzbandriß im Gelenk ist ein Kreuzbandersatz sinnvoll. Dazu verwenden wir die Semitendinosus- und Gracilissehne, die im Verlauf der ursprünglichen Kreuzbandfasern in das Gelenk eingezogen wird. Da bei der Operationstechnik Bohrkanäle am Schienbeinkopf und Oberschenkel angelegt werden müssen, ist es wichtig, die Wachstumsfugen schonend zu behandeln. Werden wichtige Operationsregeln eingehalten, ist keine Wachstumsstörung zu erwarten. Durch eine von Prof. Siebold entwickelte neuartige Operationstechnik bei Kindern und Jugendlichen konnte die Haltbarkeit der Kreuzbandrekonstruktion deutliche verbessert werden.

Therapie bei Knorpelverletzungen im Kindes- und Jugendalter
Knorpelschäden bei jungen Patienten sind leider keine Seltenheit. Wir haben uns auf die vollständige Reparatur von Knorpellöchern durch minimalinvasive Knorpelzelltransplantation spezialisiert. Pro Jahr führen wir ca. 100 Knorpelzellttransplantationen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch (siehe auch Kapitel "Knorpel".

Stationärer Aufenthalt

Der junge Patient ist ca. 2-3 Tage stationär in unserer Klinik. Selbstverständlich können Sie als Begleitperson mit ihrem Kind oder Jugendlichen in einem gemeinsamen Zimmer übernachten. Bei der stationären Entlassung erhalten sie einen ausführlichen Operationsbericht und einen detaillierten Nachbehandlungsplan.

Um die jungen Patienten zu bremsen und um damit eine optimale Einheilung des Kreuzbandersatzes zu gewährleisten, wird der Patient mit einer beweglichen Schiene versorgt. Wir halten es für notwendig, dass die Schiene bei Kindern und Jugendlichen konsequent für 2-3 Monate getragen wird. In den ersten 2-3 Wochen nach der Operation ist die Verwendung von Unterarmgehstützen mit Teilbelastung des operierten Kniegelenkes sinnvoll, danach kann der Übergang zur Vollbelastung erfolgen.

Operation und Schule

Wir empfehlen mindestens eine einwöchige Schulunterbrechung, damit das operierte Knie abschwellen kann. Danach ist aus unserer Sicht der Schulbesuch an Unterarmgehstöcken und mit Kniegelenksschiene möglich. Natürlich ist Schulsport für mindestens 9-12 Monate nicht möglich. Ein entsprechendes Attest wird von uns ausgeschrieben. Die sportliche Belastungsaufnahme orientiert sich an dem Rehabilitationsverlauf Ihres Kindes oder Jugendlichen und wird durch regelmäßige klinische Untersuchungen überprüft.

Langjährige Erfahrung mit kindlichen Knieverletzungen

Prof. Siebold hat eine jahrzehntelange Erfahrung mit kindlichen Knieverletzungen und ist mit den Operationstechniken bestens vertraut. In keinem Fall kam es bisher zu einer Wachstumsstörung, die Kniestabilität war bei fast allen Patienten hervorragend.