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Labrumschaden

Das Hüftgelenk wird als Kugelgelenk durch die Hüftpfanne (Azetabulum) geführt und ermöglicht somit eine volle Bewegung in allen drei Ebenen. Störungen im Bereich des Hüftgelenkes können entweder durch Fehlstellungen im Bereich des Oberschenkelkopfes (Femurkopf) als auch an der Hüftpfanne (Azetabulum) entstehen und machen sich häufig durch belastungsabhängige Schmerzen bemerkbar.

Neben dem Verschleiß des Hüftgelenkes (Arthrose) müssen vor allem andere Schädigungen und Erkrankungen weiterer gelenknaher Strukturen bedacht werden. Nicht selten findet sich nach einer eingehenden Untersuchung ein Schaden des Labrums (Gelenklippe). Das Labrum umschließt das Hüftgelenk und schützt den freien Knorpelrand des Hüftgelenkes. Neben einer Vergrößerung der Gelenkfläche hat das Labrum die Aufgabe, den Flüssigkeitsfilm (Synovia) im Gelenkspalt zu halten, um eine reibungsarme Bewegung zu ermöglichen, die einem vorzeitigen Verschleiß des Gelenkes entgegen wirkt. Kommt es aufgrund von Fehlstellungen zu wiederholten Schädigungen des Labrums, kann es zu Einrissen kommen, ähnlich dem Meniskusriss im Kniegelenk (Abb. 1 und 2). Diese machen sich aufgrund der nervalen Versorgung des Labrums durch Schmerzen bei Belastung oder bestimmten Bewegungen bemerkbar, die das Labrum reizen. Da die häufigsten Labrumschädigungen im anterioren (vorderen) Azetabulumbereich zu finden sind (62-92%), kann sich dieses bereits durch Schmerzen in der Leiste beim Sitzen während der täglichen Arbeit bemerkbar machen.


Abb. 1 (links): Degenerativer Labrumschaden am vorderen Pfannenrand (Azetabulum)
Abb. 2 (rechts): Vom Pfannenrand (Acetabulum) abgelöstes Labrum

Treten diese Schmerzen auf, liegt häufig ein mechanisches Problem vor, das neben der anfänglichen Schädigung des Labrums zu einer Ablösung mit Freilegung des Gelenkknorpels führen kann (Abb. 3). Durch die vermehrten Scherkräfte auf den Knorpel kann es zu einer frühzeitigen Knorpelschädigung kommen, die dann zu einer Arthrose des Hüftgelenkes führt.


Abb. 3: Abgelöster Gelenkknorpel vom Acetabulum bei einem ausgeprägten Labrumschaden mit Cam-Impingement

Neben der klinischen Untersuchung bei dem Verdacht auf eine Labrumschädigung sollte eine Kernspintomographie (MRT) des betroffenen Hüftgelenkes erfolgen, bei der zusätzlich ein Kontrastmittel in das Hüftgelenk gegeben wird (MR-Arthrographie). Diese Methodik hat eine sehr viel höhere Sensivität (92% gegenüber 62%) gegenüber der normaler Kernspintomographie beim Verdacht auf eine Labrumschädigung (Abb. 4).


Abb. 4: MR-Arthrographie mit Labrumschaden des Hüftgelenkes

Eine konservative Behandlung ist bei einer Labrumschädigung oft nicht erfolgsversprechend, so dass vielfach eine operative Behandlung durchgeführt werden sollte. Die Behandlung erfolgt bei einer Labrumschädigung ohne größere Fehlstellungen des Hüftgelenkes in aller Regel arthroskopisch, d.h. über 2-4 kleine Hautschnitte, über die man dann mittels kleiner Instrumente eine Behandlung durchführen kann. Abhängig von der Größe des Defektes und der Beschaffenheit des Labrums erfolgt eine Glättung mit Entfernung von degenerativen Labrumanteilen oder eine Rekonstruktion mit Naht des Labrums.

Die Nachbehandlung nach der arthroskopischen Behandlung einer Labrumschädigung richtet sich nach dem Ausmaß der Schädigung und der durchgeführten operativen Therapie. In vielen Fällen kann direkt ab dem Tag nach dem operativen Eingriff eine schmerzangepasste Belastung mit entsprechenden physiotherapeutischen Behandlungen durchgeführt werden. Wurden während des Eingriffes zusätzliche Maßnahmen am Gelenkknorpel oder an knöchernen Strukturen durchgeführt, ist häufig eine Teilbelastung notwendig. Die Nachbehandlung ist jedoch vom individuellen Fall abhängig.

Die Ergebnisse von klinischen Studien zeigen, dass es in einer Vielzahl der Fälle zu einer deutlichen Beschwerdebesserung durch eine arthroskopische Therapie bei isolierten Labumschädigungen kommt. Byrd et al. konnten in einer klinischen Studie zeigen, dass bei 83% der behandelten Patienten gute bis exzellente Ergebnisse erzielt werden konnten. Ähnliche Ergebnisse konnten Streich et al., Nepple et al., Yamamoto et al. in ihrem Patientenkollektiv finden, bei den sie eine arthroskopische Behandlung von Labrumschäden durchgeführt haben.

Somit ist die arthroskopische Behandlung von Labrumschäden des Hüftgelenkes heutzutage die Methode der Wahl, die den betroffenen Patienten sehr gute Erfolgsaussichten auf eine Besserung gibt.

Arthroskopische Naht des Labrum an der Hüfte
(Quelle: mit freundlicher Genehmigung der Fa. Arthrex Inc.)